Conversation

Die Politik der Schuld

26. Januar 2026
Katholische Akademie Berlin

Luca Di Blasi, Politik der Schuld, Matthes & Seitz Berlin

Die Politik der Schuld

Luca di Blasi (Bern) spricht mit Per Leo (Berlin) und Elad Lapidot (Berlin/Lille)

Montag, 26. Januar 2026, 19–20:30 Uhr
Katholische Akademie Berlin, SR 5

Spätestens seit dem 7. Oktober 2023 rücken namhafte kritische Intellektuelle von der lange unumstrittenen, ja als vorbildlich erachteten deutschen Erinnerungspolitik ab. Sie sei »übergeschnappt« (Susan Neiman), von Rechten gekapert worden, habe in letzter Zeit autoritäre und identitär-ausschließende Züge angenommen – eine Entwicklung, die laut dem neuen Buch des Philosophen Luca Di Blasi, Die Politik der Schuld (Matthes & Seitz Berlin, 2025), keineswegs überraschend ist. Ihm zufolge konnte eine nach 1945 diskreditierte und unhaltbar gewordene Volksgemeinschaft im Namen der Schuld als »Tätervolksgemeinschaft« überwintern. Diese »negative Identitätspolitik« wurde im Nachkriegsdeutschland wirksam.

Anknüpfend an Sigmund Freuds Rekonstruktion unterschiedlicher Formen des Umgangs mit kollektiver Schuld in Judentum und Christentum zeigt Di Blasi, im Gespräch mit dem Historiker und Schriftsteller Per Leo und dem Philosophen Elad Lapidot wie Schuldanerkennung nach 1945 zu einer neuartigen Form nationaler Identitätspolitik avancierte, – und wie wir ihre Krise überwinden können.

Organization

Elad Lapidot (Berlin/Lille)

Participants

Luca Di Blasi

Luca Di Blasi ist assoziierter Professor für Philosophie an der Theologischen Fakultät in Bern und assoziiertes Mitglied des ICI Berlin. Seine Hauptinteressen umfassen Religionsphilosophie, Gegenwartsphilosophie, Postsäkularismus und politische Theologie. Wichtigste Veröffentlichungen: Die Politik der Schuld 2025; Dezentrierungen. Beiträge zur Religion der Philosophie im 20. Jahrhundert 2018; Der weiße Mann. Ein Anti-Manifest 2013; Der Geist in der Revolte. Der Gnostizismus und seine Wiederkehr in der Postmoderne 2002; Cybermystik (Hrsg.), 2006.

Per Leo

Per Leo lebt als Schriftsteller und Historiker in Berlin. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet. Mit einer Arbeit über Ludwig Klages und die Tradition des charakterologischen Denkens promoviert, arbeitet Leo seit 2011 als freier Autor. Ein Schwerpunkt seiner Texte liegt auf der Geschichte und dem Nachleben des Nationalsozialismus, wobei der stilistische Zugriff variiert. Auf den autofiktionalen Familienroman »Flut und Boden« folgten publizistische Interventionen wie der von ihm mitverfasste Leitfaden »Mit Rechten reden« sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Erinnerungskultur. Zuletzt hat Leo sich verstärkt dem Nahostkonflikt im Kontext der Migrationsgesellschaft gewidmet, u.a. mit dessen Repräsentation in deutschen Schulen. Sein zweiter Roman, eine Road Novel zwischen Niederösterreich und Polarkreis, soll im Herbst 2026 erscheinen. Seit September 2025 ist der Mitherausgeber der Weltbühne

Elad Lapidot

Elad Lapidot ist Professor für Judaistik an der Universität Lille, Frankreich. Er ist spezialisiert auf Philosophie, jüdisches Denken und Talmud und lehrte an der Universität Bern, Schweiz, der Humboldt-Universität Berlin und der Freien Universität Berlin. Seine Arbeit wird von Fragen zur Beziehung zwischen Wissen und Politik geleitet. Zu seinen Veröffentlichungen zählen Anti-Anti-Semitismus. Eine philosophische Kritik (2021), Politics of Not Speaking (2025) und State of Others: Levinas and Decolonial Israel (2025).


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